Absolvierte die graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien; zählt zu den wichtigsten Vertretern des Wiener Aktionismus (1962 mit dem Blutorgelmanifest zusammen mit Adolf Frohner und Otto Muehl begründet) mit weltweit erfolgreichen Ausstellungen. Seit 1957 beschäftigt N. sich mit dem sog. Orgien Mysterien Theater (eine mehrere Tage dauernde, als Gesamtkunstwerk unter Einbeziehung von Malerei, Architektur und Musik, aber auch Tierschlachtungen, und auf der Grundlage griechischer Mysterienfeste – mit einer Kartharsis als Ziel – konzipierte Veranstaltung, seit 1971 meist in seinem Schloss in Prinzendorf/NÖ abgehalten), das sein gesamtes malerisches, musikalisches und literarisches Werk beherrscht. 1971 und 1973 war er Gastdozent an der Kunstakad. und an der Hsch. für bildende Kunst in Frankfurt a. M./D, 1989–95 als Prof. Er stellt v. a. „Schüttbilder“ her, die meist aus kultähnlichen Aktionen entstehen, auch in seinen Bühnenbildern etwa zu J. Massenets Hérodiade (Wiener Staatsoper, Mitbeteiligung an der Regie), wo am Ende jeder Aufführung während der Präsentation des abgeschlagenen Hauptes von Johannes dem Täufer ein originales Schüttbild erzeugt wird, indem im Bühnenhintergrund rote Farbe über weiße bühnenbreite Leinwand gegossen wird. N. veranstaltet auch „Malaktionen“, bei denen er außerdem als Komponist beteiligt ist. Als solcher sieht er sich als Autodidakt und seine Musik als „Musik eines Unbefugten“. Seine Partituren sind z. B. nicht in herkömmlicher Notation geschrieben, sondern in Form einer zeitproportionalen Graphik notiert, und geben den Musikern gewisse Freiheiten (u. a. Tonhöhen, unterschiedliche Spielweisen der Instrumente). Als Ziel vieler Aufführungen, z. T. unter Mitwirkung von K. Essl, gilt die sinnlich-mystische Ekstase.
P: Prof.-Titel 1995; Große Goldene Medaille des Wiener Künstlerhauses 1995.
W: u. a. mehrere Symphonien (Mss. z. T. verschollen); Musik zu bisher (1966–2004) 115 Aktionen.
Lit: D. Spera, H. N. – Leben u. Arbeit 1999; MaÖ 1997; Personenlex. Öst. 2001; MGÖ 3 (1995); K. Essl in www.essl.at/bibliogr/nitsch.html (4/2004); www.sammlung-essl.at (5/2004).
UH