Nettl, Familie
Paul: * 10.1.1889 Hohenelbe/Böhmen (Vrchlabí/CZ), † 8.1.1972 Bloomington, Indiana/USA. Musikwissenschaftler.

Studierte 1909–15 an der Univ. Prag Jus und Musikwissenschaft (bei H. Rietsch) sowie privat Kompositionslehre (bei Gerhard v. Keussler); 1913 Dr. jur. und 1915 Dr. phil. Nach dem Ersten Weltkrieg kurze Zeit Mitarbeiter von G. Adler in Wien, wurde N. 1919 Assistent und 1920 Dozent in Prag, wo er später auch das musikwissenschaftliche Seminar leitete. 1933–39 Musikdirektor des deutschen Rundfunks in Prag, 1939 Emigration in die USA (Exil), wo er zunächst als Lehrer bzw. Dozent am Westminster Choir College in Princeton, New Jersey sowie in New York und Philadelphia tätig war. 1946–59 Prof. für Musikwissenschaft an der Indiana Univ. in Bloomington.

Schr: Vom Ursprung der Musik 1918; Das Wr. Lied im Zeitalter des Barock 1934; Mozart and Masonry 1957; Georg Friedrich Händel 1958; Tanz und Tanzmusik 1962.

Sein Sohn Bruno: * 14.3.1930 Prag. Musikwissenschaftler. Studierte an der Indiana Univ. Musikwissenschaft bei seinem Vater und Willi Apel, Musikethnologie bei Georg Herzog sowie Völker- und Volkskunde (Dr. phil. 1953). 1949–52 Kustos des Plattenarchivs der Indiana Univ., anschließend Lehrtätigkeit an der Wayne Univ. in Detroit/USA. 1956–58 Gastdozent für Musikethnologie an der Univ. Kiel/D. Ab 1964 war N. an der Univ. of Illinois in Urbana-Champaign/USA tätig (1967–92 Prof. für Musik und Anthropologie). Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Society of Ethnomusicology und machte als einer der ersten Schallplattenaufnahmen von Indianermelodien.

P: Fumio Koizumi Prize Tokyo 1993; Dr. h. c. Univ. Chicago/USA 1993; Dr. h. c. Univ. Illinois 1996.

Schr: North American Indian Musical Styles 1954; The Radif of Persian Music 1987; Blackfoot Musical Thought 1989; Encyclopedia of World Music, 10 Bde. 1998–2002.

Lit: NGroveD 17 (2001); LdM 2000; MGG 9 (1961) u. 16 (1979); Riemann 1961 u. 1975; Müller-Asow 1929; Kürschner 1954; F-A 1936 u. 2 (1978).

ChF