Ursprünglich Bestandteil der Liedvorträge der ambulanten Bänkelsänger (Bänkelsang) über Schreckensereignisse oder auch rührselige Themen zur Belehrung, Information oder Unterhaltung des Publikums. M.en sind in Form von Schauerballaden gestaltet, geprägt durch drastische Ausdrucksweise, moralischen Anspruch, klischeehafte Schwarz-Weiß-Malerei, trivialen Realismus. Die Naivität der Sprache wird ab Ende des 18. Jh.s durch Kunstdichtung zum Stilmittel erhoben, M.en werden zur Parodie auf den Bänkelsängerstil, richten sich an ein Publikum, das sich an Wort- und Reimspielereien und an schauerlichen Übertreibungen delektiert. Themen sind: öffentliche Hinrichtungen, Kriminalfälle (insbesondere Morde), sentimentale Mörderschicksale, Räuberromantik, Unglücks- und Todesfälle, tragische Elementarereignisse (Hochwasser, Brände). In gedruckter Form wurden M.en als Flugblätter ambulant durch die Sänger oder Liederweiber sowie direkt durch Druckereien und spezielle Verlage in den größeren Städten vertrieben, v. a. in Wien im 19. Jh. durch die Verlage Franz Barth, Carl Barth, Mathias Mossbeck, Anton Leitner, Carl Fritz u. a.
Lit: R. W. Brednich in JbÖVw 21 (1972); G. Gugitz, Lieder der Straße 1954; E. Janda/F. Nötzoldt, Die M. vom Bänkelsang oder Das Lied der Straße 1959; S. Kovacs, Der historische Bänkelsang in Wien, Diss. Wien 1987; Th. F. Meysels (Hg.), Schauderhafte M.en [o. J.]; K. Petermayr, „Schauerlich ertönt die Kunde ...“ M.en aus Oberösterr. Quellen 2002; L. Petzoldt, Bänkellieder und M.en aus drei Jh.en 1982; L. Petzoldt, Bänkelsang 1974; L. Petzoldt (Hg.), Die freudlose Muse. Texte, Lieder und Bilder zum historischen Bänkelsang 1978; L. Petzoldt in G. Haid et al. (Hg.), Volksmusik – Wandel und Deutung 2000; F. Rebiczek, Der Wr. Volks- und Bänkelgesang in den Jahren von 1800–1848, [o. J.], 46ff.
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