Herold (Heroldt),Johannes
* ca. 1550 Jena/D, begr. 8.9.1603 Weimar/D. Kantor und Komponist.

Kam spätestens 1593 als Kantor an die protestantische Stiftsschule in Klagenfurt, übernahm 1595 neben dem Figuralgesang auch die Leitung des Chorgesangs in der St. Egydi-Stadtpfarrkirche und heiratete die Klagenfurterin Maria Khaiser. Nach Einsetzen der Gegenreformation musste er Kärnten 1601 – mit einer Abfertigung in Höhe eines Jahresgehalts – verlassen und wurde im selben Jahr fürstlicher Hofkapellmeister in Altenburg/D, 1602 in Weimar. Stilistische Merkmale seiner Historia, einer sechsstimmigen, dreiteiligen deutschsprachigen Matthäus-Passion in Motettenform, sprechen für einen (nicht belegbaren) Venedig-Aufenthalt H.s., der zu den wichtigsten Vertretern der protestantischen Musikpflege Innerösterreichs im 16. Jh. zählt. Seine Passion ist dramatischer angelegt als die zur gleichen Zeit entstandene ausdruckstiefere Johannes-Passion von L. Lechner.

W: Historia des Leidens und Sterbens unsers Herrn und Heilands Jesu Christi aus dem H. Evangelisten Mattheo für 6 Stimmen 1594; verschollen: zahlreiche Gesänge.

Lit: NGroveD 11 (2001); MGG 6 (1957); H. Federhofer in Carinthia I/145 (1955); H. J. Moser, Die Musik im frühevangelischen Österreich 1954.

UH