Dietrichstein-Proskau-Leslie, MorizJoseph JohannGraf von
* 19.2.1775 Wien, † 27.8.1864 Wien. Bibliotheksdirektor, Mäzen und Komponist.

Stammt aus einer alten österreichischen Adelsfamilie. Nach einer militärischen Laufbahn quittierte er 1800 den Dienst und widmete sich in der Folgezeit ganz den Wissenschaften und Künsten. Musikalischer Unterricht bei M. Stadler. Im väterlichen Haus verkehrten damals führende Persönlichkeiten des geistigen Wien (u. a. L. v. Beethoven, A. Gyrowetz, J. G. Albrechtsberger). Bis 1815 auch führend in der Gesellschaft der Musikfreunde tätig (Vizepräsident). 1815 Erzieher des Hzg.s von Reichstadt, 1819–26 Hofmusikgraf, 1821–26 Hoftheaterdirektor. 1826–45 Präfekt (Direktor) der Hofbibliothek. In letzterer Funktion legte er die Grundsteine für eine eigenständige Musiksammlung innerhalb der Hofbibliothek (Musiksammlung der ÖNB). 1845 Oberstkämmerer, 1846 Obersthofmeister-Stellvertreter. 1848 verlor er seine Ämter und lebte seither zurückgezogen. Als Hofmusikgraf setzte er sich u. a. für die Besserstellung der Musiker ein und legte ein Notenarchiv an. D. komponierte ab ca. 1805 kleinere Werke, von denen er 1810–47 einige herausgab, v. a. Lieder auf Texte von August Ernst Frh. von Steigentesch, Johann Wolfgang v. Goethe und Ludwig Heinrich Hölty. Trat selbst als Freund und Förderer von Musikern ein. D. war stark von den vaterländischen Ideen H. v. Collins beeinflusst und ein Vertreter des Stadion’schen Gesamtstaatspatriotismus.

W: Messgesänge und Kirchenlieder; Lieder (u. a. 10 Sammlungen), Tänze.

Lit: NGroveD 7 (2001); MGG 5 (2001); ÖL 1995; Personenlex. Öst. 2001; Czeike 2 (1993); SchubertL 1997; G. W. Gruber in E. Badura-Skoda et al. (Hg.), [Kgr.-Ber.] Schubert Wien 1999, 2000; Th. Antonicek, Ignaz v. Mosel, Diss. Wien 1962; W. Nemecek, M. I. Graf v. D., Diss. Wien 1953.

AH/ETH